hi, ich bin manu
Meine Leo-Gang und ich mit Drahtauslöser auf Kentmere Pan, selbstentwickelt mit Instantkaffee (Caffenol)
Ich denke noch oft an einen Geburtstag meiner Tante zurück. Das Wohnzimmer wurde im Handumdrehen zum Festsaal. Der schwere Tisch wanderte an die Wand, die Stereoanlage brummte und wir Kinder drehten unsere ersten tapsigen Runden. Irgendwo lag eine kleine rote analoge Kamera griffbereit, um all die schönen Augenblicke festzuhalten, die man nicht vorbeiziehen lassen wollte. Tage später erzählten die Fotos ihre eigenen Geschichten. Konfetti, wirbelnd im Raum, ein Kuchen, fast hinter dem Tisch verschwunden, mein Onkel, glücklich tanzend und ein schiefes Gruppenfoto, voller Lachen und Unschärfe. Dazu natürlich der rosa Schimmer eines Fingers und ein paar rote Augen. Keines der Fotos sah perfekt aus, aber genau so fühlte sich dieser Abend an.
Ich liebe die analoge Fotografie, weil sie mich den Moment bewusster wahrnehmen lässt. Ich möchte ihn nicht zerlegen, sondern erleben. Ohne Display arbeite ich mit weniger Kontrolle und lasse ständige Korrekturschleifen hinter mir. So entstehen wenige, bewusst gesetzte Bilder. Ich arbeite mit Film, weil er Fotografien hervorbringt, die sich wie Erinnerungen anfühlen und spiele ab und an mit Stilmitteln wie längeren Belichtungszeiten, Doppelbelichtungen oder leichter Unschärfe, um auf diese Weise das Gefühl eines Moments zu verstärken. Jede belichtete Filmrolle ist ein Mix aus dokumentarischen Momentaufnahmen und angeleiteten Portraits. Auf eine Nachbearbeitung verzichte ich bewusst, denn Mutterschaft besitzt keine schicken Filter und so würde auch der Charme der analogen Fotografie verloren gehen.
Konfetti & Kokolores, 1993